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25.02.10

Kunst und Wirtschaft

Das Potenzial wirtschaftlich-orientierter Kunst und das Potenzial künstlerisch-orientierter Wirtschaft.

Im Zeitalter der Vernetzung von Gesellschaften und der Verknüpfung von Wissenschaften, ist die Frage nach dem Sinn der Verbindung von Kunst und Wirtschaft logisch und unvermeidbar. 

Die Argumente die dagegen sprechen, liegen auf der Hand: Warum sollte Kunst die Gefahr des Verlustes ihrer Autonomie eingehen und sich funktionalisieren lassen? Kunst existiert oft in einer gewissen Absichtslosigkeit, es ist die Erfassung und Dokumentation einer Idee oder einer Sache in Form von individueller Darstellung. Dadurch spielt die persönliche Botschaft, die "Sprache" des Künstlers eine wesentliche Rolle. Wirtschaft hat Ziele, die erreicht werden, am besten so effektiv und so effizient wie möglich. Die größte Schnittstelle zwischen Kunst und Wirtschaft ist das Produkt. Beide generieren ein Produkt, wobei das Produkt der Kunst ein Einzelstück ist, Ausdruck und oft Ende eines Prozesses, einer Auseinandersetzung. Das Produkt der Wirtschaft hingegen ist Massenware. Sein Prozess reduziert sich auf den Fertigungsprozess, der andere Kriterien hat als der künstlerische. Den größten Nutzen hat Wirtschaft von Kunst, wenn sie die Kriterien des "Fertigungsprozesses" im künstlerischen Prozess genauer untersucht und Teile daraus für sich adaptiert. Durch Reduktion und Mechanisierung der wirtschaftlichen Fertigungsprozesse sind wesentliche, lebendige Wertschöpfungen verloren gegangen, der Prozess an sich ist tot.   Kunst hat die Fähigkeit, Bericht zu erstatten, kognitive und emotionale Beobachtungen und Anmerkungen zu machen, sie hat wesentlichen Reflektionscharakter für den Teilnehmer und wesentliche Gestaltungsfähigkeit für den Prozess.  Wirtschaft kann sich bei Kunst die Fähigkeit der Kreativität zur Unterstützung ihrer Innovationskraft holen, ebenfalls die Fähigkeit der Reflexion für ihre Prozessabläufe und Effizienz, gleichzeitig, fast automatisch würde sie bestimmte humanistische Grundgedanken aus der Kunst in ihr Konzept adaptieren. Beispielsweise ist Kunst ein Vorbild für Wirtschaft im Sinne der „Gerechtigkeit des neutralen Wahrnehmungsprinzips". Kunst beobachtet neutral, sammelt Fakten, nimmt Ereignisse, Meinungen und Stimmungen aus jeder Richtung auf, um sie dann auf einer höheren Ebene zu einer neuen Botschaft zu transformieren. Über diese Absichtslosigkeit und reine Prozesskonzentration kann Wirtschaft eine humanistische Grundhaltung integrieren.  Und was hat Kunst von Wirtschaft? Ist Wirtschaft nicht schon lange in der Kunst angekommen? Existiert in Kunst eigentlich noch Autonomie? In der Brand eins Ausgabe vom November 09 finden sich dazu interessante Zitate:" Wie kann ich als Künstler schnell Karriere machen" sei aktuell eine zentrale Frage  der Studenten an den Kunstakademien. Der Sammler Falckenberg antwortet darauf: " Ihr müsst überhaupt keine Karriere machen". Kunstkritikerin Isabelle Graw, Professorin für Kunsttheorie an der Städelschule Frankfurt, spricht von einem " Selbstvermarktungsimperativ, der heute zur Norm geworden ist". Geht es eigentlich noch um Kunst oder dient Kunst nur als Transportmittel, um Erfolg zu haben, um eine "Wert" auf dem "Markt" zu sein? (siehe dazu auch einen Kommentar auf artinfo24)  Aktuell kann Kunst im positiven Sinn von der Wirtschaft profitieren, indem sie deren Vernetzungsstrategien und Teamstrukturen integriert. Der Künstler, der allein vor sich hin arbeitet, ist in Krisenzeiten stets ein Auslaufmodell. Neue Tendenzen und Richtungen  entstanden immer in Gruppen und immer in Zeiten großer Umbrüche, in Zeiten, in denen es etwas Gesellschaftliches zu kritisieren und es etwas Neues zu definieren galt. Das Internet ist auch für Kunst eine riesige Chance, sich neu zu erfinden.  Kunst braucht die Gesellschaft, um sichtbar zu werden, wenn die Gesellschaft aber nur noch aus "Markt" besteht, und die Kunst nur noch aus "Wert", dann hat Kunst ihre Autonomie abgegeben, sich an Wirtschaft verkauft und ist gleichzeitig wertlos geworden.  Paradox, aber dieser Vorgang ist gleichzeitig die eigentliche Kunst: Genau dieses Phänomen der Entwertung betrifft zur Zeit unsere gesamte Gesellschaft und ist Ausdruck für das eigentliche Wesen von Kunst,nämlich ihrer "Absichtslosigkeit". Dieser Vorgang zeigt, dass Kunst in ihrer reinen und ursprünglichen Form neutral ist, dass sie die Fähigkeit hat, Bericht zu erstatten, dass sie kognitive und emotionale Beobachtungen und Anmerkungen macht, dass sie wesentlichen Reflektionscharakter für den Teilnehmer und wesentliche Gestaltungsfähigkeiten für den Prozess hat. Sie ist ein Spiegel (der Gesellschaft/des Individuums). Aktuell zeigt Kunst der Gesellschaft, dass sie vor allem ein "Markt“ ist.  Der Spiegelcharakter in Kunst ist generell ihr Potenzial. Es ist dem Wesen der Kunst immanent, es ist sein tiefster Wert, es ist „die Gerechtigkeit der Absichtslosigkeit“.  Genau das kann die Wirtschaft von der Kunst lernen, in dem sie sich für diese Prinzipien öffnet und sich in Form von menschlichen Stellvertretern aus der Wirtschaft (BWL/ VWL/ Wirtschaftsinformatiker/ Juristen...) mit deren Bedeutung konfrontiert und berühren lässt. Sie können Kunst als Medium zur Betrachtung und Reflexion nutzen; für sich selbst, für ihre Abläufe, Prozesse und Ziele.  

Bild: Valentin Russanov  @iStock.com

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