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Peats Redaktion

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20.12.17

Achtsamkeit statt guter Vorsätze

Wahre Veränderungen werden nicht von äußeren Anlässen, sondern durch innere Achtsamkeit geleitet. Was ist Achtsamkeit und wie können wir diese erlernen?

Die Jahreswende steht wieder vor der Tür und seien wir ehrlich: Das Ritual der Vorsätze um Neujahr klappt doch nur in den seltensten Fällen. Wir möchten gesünder leben, fitter sein und an unseren Zielen festhalten. Doch oftmals ist schon nach wenigen Wochen der Alltagstrott an die Stelle der Vorhaben getreten.  Wahre Veränderungen werden nämlich nicht von äußeren Anlässen, sondern durch innere Achtsamkeit geleitet. 

Dies liegt meistens an der Motivation. Wir können hier zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation unterscheiden. Bei der Umsetzung neuer Strategien und Lösungen ist ein Jahreswechselritual wenig hilfreich, weil das Ritual von außen auf uns einwirkt. Das Ankurbeln einer achtsamen Einstellung kann hierbei aber helfen.  Aber: Was ist Achtsamkeit und wie können wir diese erlernen? 

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Die extrinsische und intrinsische Motivation: erkennen und fördern

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Was ist Achtsamkeit?

Laut des Psychologie Lexikons bedeutet Achtsamkeit, sich auf sich selbst zu besinnen und den Moment wahrzunehmen. Alle Gefühle, Wahrnehmungen und Fantasien zu akzeptieren und wahrzunehmen. Egal, ob wir Fröhlichkeit oder Trauer spüren. Wir erkennen die Empfindungen, verdrängen, bewerten oder analysieren diese aber nicht.  

Es geht eigentlich nur darum, sich nach innen zu wenden und sich auf den gegenwärtigen Moment zu beziehen – nicht so viel Gedanken über die Vergangenheit oder die Zukunft zu entwickeln. Das Ziel sollte es sein, Entscheidungen darüber zu treffen, was im aktuellen Moment wichtig und richtig für sich als Individuum ist.

Routine und Gewohnheiten sind Gegner der Achtsamkeit

Die meisten Menschen sind den Großteil ihrer Zeit wahrscheinlich nicht besonders achtsam – dies liegt daran, dass wir so viele Tätigkeiten routiniert ausüben (zum Beispiel Zähneputzen) und uns zahlreiche Gedanken über vergangene oder zukünftige Handlungen beschäftigen (To-Do-Listen, verpatzte Situationen in der Vergangenheit).

Durch zu wenig Achtsamkeit, verlieren wir uns in Gedanken, grübeln über die Zukunft und setzen uns unter Druck. Diese Gedankenkette gilt es zu durchbrechen. Achtsamkeit hilft dabei, Stress zu verringern und reduziert das Risiko, an psychischen Erkrankungen wie Burn-Out, Depressionen oder Borderline zu erkranken. Es stärkt die eigenen inneren Ressourcen und stabilisiert den Geist. 

Wie können wir achtsamer werden?

Auf diese Frage gibt es leider keine pauschale oder allgemeingültige Antwort, sondern viele individuelle. Sicher ist, dass die Aussicht auf ein gesünderes Leben, weniger Pfunde oder mehr Zufriedenheit als permanenter innerer Antrieb ein deutlich besserer Motor sind als jeder externe Faktor. Sie führen zu intrinsischen Handlungen. Intrinsische Handlungen sind eigenbestimmte, aus dem eigenen Antrieb heraus gewählte Vorgänge, die keinerlei äußeren Anstoß benötigen. Sie sind äußerlich nicht beobachtbar und sogar versteckt.

Eigene intrinsische Motive zu entwickeln oder nach ihnen zu handeln, ist oft nicht einfach. Das Problem hierbei ist, dass unsere Gesellschaft eher auf äußere und materielle Werte fokussiert ist als auf die inneren. Extrinsische Bezeichnungen wie Statussymbole sind für viele zugänglicher und nachvollziehbarer.

Ein Beispiel: Auf die Frage „Wer bist du?“ folgt meistens eine Antwort, die Bezug auf eine Berufsbezeichnung oder den Wohnort nimmt. Wer hier keine eindeutige Antwort gibt, sorgt beim Gegenüber meistens für Verwirrung. Eine unklare Antwort auf diese alltägliche Frage entspricht nicht der gängigen Konformität. Wer achtsam sein und sich auf intrinsische Motive einlassen möchte, sollte sich von diesen extrinsischen Faktoren lösen.

Selbstreflektion als wichtiger Prozess

Es gibt verschiedene Ansätze und Übungen, um für mehr Achtsamkeit im eigenen Leben zu sorgen. Am einfachsten ist es immer, sich im aktuellen Moment selbst zu hinterfragen und wahrzunehmen – das funktioniert am einfachsten über die Sinne: Was sehe ich? Was rieche ich? Was schmecke ich? Dadurch lenken wir den Fokus bewusst auf die gegenwärtige Situation, ohne diese zu bewerten. Sich selbst neutral zu reflektieren ist der wichtigste Schritt, um Achtsamkeit zu erlernen.

Tatsächlich hilft auch Meditation dabei, intrinsische Motivatoren und damit innere Werte zu aktivieren. Meditation hilft einen Bewusstseinswandel  zu entwickeln.

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Bewusstseinswandel verbessert psychische Gesundheit

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Meditation für das Ankurbeln der Achtsamkeit

Meditation ist ein gutes Stichwort im Hinblick auf die intrinsische Motivation und intrinsische Handlungen. Durch die Meditation entstehen Achtsamkeit und Konzentration auf sich selbst. In diesem meditativen Zustand ist es möglich, das Innere wahrzunehmen und das Bewusstsein im Hier und Jetzt zu zentrieren. Diese Freiheit von Gedanken führt paradoxerweise dazu, wirklich eigene Gedanken zu denken und zu erkennen.

Tatsächlich ist das Vornehmen von guten Vorsätzen wie zum Beispiel zur Jahreswende ein richtiger erster Schritt für einen achtsameren Umgang mit sich selbst. An unseren guten Vorsätzen können wir jedes Jahr erkennen, wo wir aktuell stehen, was wir erreicht haben und was uns vielleicht noch fehlt. Es ist gar nicht unbedingt nötig, all die guten Vorsätze tatsächlich umzusetzen. Die Reflektion des eigenen Status Quo ist bereits eine Form von Achtsamkeit, denn Reflektion ist Achtsamkeit. Silvester und das Fassen neuer Vorsätze ist für einige vielleicht sogar der achtsamste Moment im Jahr.

Achtsamkeit
Motivation
Meditation
Konzentration
Wahrnehmung
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Sabine Maly

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07.04.14

Clean your Life!

Lernen Sie, ungewolltes und unbenutztes loszulassen.

Seit den 1930 - 50er Jahren unterziehen viele Menschen ihren persönlichen Lebensbereich um diese Zeit herum traditionell einem Frühjahrsputz. Man sah die Sonne durch die Fenster scheinen, sie schien auch auf den Staub und den Schmutz, der sich den Winter über angesammelt hatte und fühlte sich angespornt, den ganzen Krempel des letzten Jahres zu beseitigen und das Jahr von Neuem zu beginnen.

Eine tolle Idee, diese Tradition weiterzuführen, oder? Und das nicht nur auf unsere Wohnungen und Häuser, sondern auch bezogen auf unsere immateriellen Bereiche. Seien wir ehrlich: manchmal haben wir einfach alles satt, wir empfinden keinen Enthusiasmus mehr und wir denken negativ. Das hat nicht nur Auswirkungen auf uns selbst sondern auch auf alles um uns herum. Wir vernachlässigen unser Zuhause, unsere Gesundheit, unsere Ausstrahlung sowie zwischenmenschliche Beziehungen und unsere Karierre. Manchmal fühlen wir uns auch einfach nur ausgelaugt und kraftlos nach dem Winter, liegen nur faul auf der Couch herum und essen zu viel fast-food.  Das Aufkommen von Krokussen, Narzissen, Tulpen und der Frühlingssonne versetzt uns aber in freudige Aufregung, gibt uns den Impuls, uns besser zu fühlen und erhöht automatisch unseren Energiespeicher. Also, - nutzen wir die Ankunft des Frühlings! 

Schauen wir unser Leben mal genauer an

Welche Bereiche hätten einen Frühjahrsputz nötig? Das könnte z. B. sein:  

  • Gesundheit und Bewegung (Körper)
  • Äusseres Erscheinungsbild
  • Lebensort
  • Lebenseinstellung
  • Beziehungen
  • Job
  • Finanzen, etc..

An welchen Lebensbereich haben SIE spontan als erstes gedacht? - Starten Sie an diesem Punkt. Nehmen wir als Beispiel den Lebensbereich/Ihr Zuhause sein: Entmüllen Sie so viel wie möglich, fangen Sie direkt am Wochenende damit an! Lernen Sie, ungewolltes, unbenutztes loszulassen (vielleicht lernen Sie auch auf ungewollte Gefühle zu verzichten :-))  Eine gute Regel ist zum Beispiel: Benutzen oder brauchen Sie es oft, behalten Sie es. Benutzen Sie es nicht, werfen Sie es weg. So schaffen Sie neuen Platz in Ihrem Leben. Sie werden sich befreit und wohl fühlen, wenn Sie diese alten, unnützen Dinge auf den Recyclinghof bringen ihnen zum Abschied zuwinken, stellen Sie sich dabei vor, dass Sie sich gleichzeitig von negativen Gedanken oder Verhaltensmustern trennen und sie ebenfalls wegwerfen. Achten Sie darauf, was Sie essen und wie Sie schlafen, wie sie sich sportlich betätigen und sich ausruhen und entspannen.  Nun gucken Sie auf andere Bereiche Ihres Lebens. gehen Sie nach der selben Methode vor: was Sie nicht mehr brauchen oder was Sie nicht mehr wollen, werfen Sie weg. So einfach ist es, sie können sofort anfangen. Es gibt keine bessere Zeit als jetzt. Halten Sie immer noch an etwas fest, was Sie einschränkt und was Sie unnötig belastet? Denken Sie daran, wenn Sie Platz schaffen und sich von alten und negativen Dingen trennen, haben Sie mehr Platz um Neues in Ihr Leben zu lassen, mit dem es Ihnen besser geht: Raum für neue Erfahrungen und für neue Möglichkeiten! Unser Gehirn ist wie ein Computer, wir haben nur begrenzt Platz; von Zeit zu Zeit müssen wir einige Dateien löschen - für den Download neuer aufregender Programme!  Geniessen Sie den Frühling. Sabine Maly 

Bild: CasarsaGuru @iStock.com

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Dr. Thomas Bittner

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31.12.15

Aus aktuellem Anlaß: Gute Vorsätze helfen nicht!

Was man über die eigene Psyche wissen muss, um die guten Vorsätze tatsächlich umzusetzen

Wer kennt es nicht, die Augenwischerei mit den sogenannten guten Vorsätzen? Mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport treiben oder das Gewicht reduzieren gehören zu den beliebtesten Vorhaben für das neue Jahr. Hilft aber nicht. Geht auch meistens schief. 

Warum? Weil die Funktionsweise der in uns arbeitenden Psycho-Logik nicht bekannt ist oder nicht beachtet wird. Beispiel Rauchen: Der Genuss einer Zigarette ist lerntheoretisch ein positiver Verstärker, eine Belohnung. Oder das Rauchen ist habitualisiert (bspw. nach dem Essen). Eine Belohnung, die uns entzogen oder verweigert wird, wirkt ähnlich einem Strafreiz[1]. Strafreize wollen wir jedoch vermeiden. Mit dem Verzicht auf das geliebte Rauchen bestrafen wir uns also erst einmal selbst. Hinzu kommen neurobiologische Reaktionen aufgrund des Nikotinentzugs, die für das Vorhaben nicht förderlich sind.  Manche Vorsätzler versuchen sich selbst auszutricksen, indem sie mit anderen eine Wette abschließen, um sich unter Druck zu setzen und diszipliniert zu bleiben. Wetten müssen jedoch, damit sie funktionieren, eindeutig formuliert sein: „Wetten, dass es mir gelingt, mit dem Rauchen aufzuhören!“ ist zu unspezifisch. Es bedarf einer eindeutigen Bedingung wie „Wetten, dass ich in den nächsten drei Monaten nicht rauchen werde!“.  Was allerdings nach den drei Monaten passiert, bleibt offen. Man hat die Wette gewonnen und könnte wieder mit dem Rauchen beginnen. Ist ja auch ganz schön, denn man hat schließlich allen gezeigt, dass man aufhören kann. Jederzeit.  Bessere Erfolgsaussichten ergeben sich mittels Kompensation durch Belohnungen oder durch noch stärkere Strafreize. Wer bspw. Sellerie (oder Kohlrabi oder was auch immer) überhaupt nicht mag, sich aber dazu zwingt, nach jeder Zigarette ein Stück von einer Sellerieknolle zu essen, kombiniert die Belohnung (Zigarette)[2] mit einem Strafreiz (Sellerie) und neutralisiert sie damit (zumindest teilweise); d.h. man verzichtet auf die Zigarette, um dem Sellerie zu entgehen.  Oder man arbeitet mit positiven Verstärkern: Wer pro Tag eine Packung Zigaretten raucht, steckt nach einem rauchfreien Tag jeden Abend 5 Euro in ein Sparschwein. Da diese Handlung jedoch nur begrenzt belohnend wirkt (man gibt ja wieder etwas her), sollte man sich bewusst machen, was man mit dem gesparten Geld eines halben oder ganzen Jahres machen kann. Dies sollte regelmäßig durch Belohnungssymbole konkretisiert werden, denn aufgeschobene Belohnungen (wie eine vom ersparten Geld finanzierte Reise o.Ä.) haben nun einmal einen geringeren Wert als sofortige Belohnungen (der bekannte myopische Effekt).  Der Vorsatz mehr Sport zu treiben ist übrigens psychologisch effektiver umzusetzen. Denn der Strafreiz „Sport treiben“ führt in relativ kurzer Zeit zu fühlbaren Ergebnissen (Belohnungen) wie verbesserter Kondition, vermehrter Kraft oder ggf. sogar Gewichtsreduktion. Zudem ergibt sich häufig auch eine intrinsische Motivation, d.h. die Sportausübung an sich fängt an, Spaß zu machen und der Strafreiz wandelt sich in einen positiven Verstärker.[3]  Gute Vorsätze im Arbeitsleben beziehen sich häufig auf die Menge an Arbeitseinsatz: Mehr oder weniger zu arbeiten. Oder sich beruflich zu verändern oder sich im Betrieb weiterzuentwickeln. Für jegliche Veränderung bedarf es eines Antriebs / einer Motivation. Etwas anders oder neu zu machen, weil die neue Art des Tuns mehr Spaß macht (intrinsisch), ist erfolgversprechender als die Belohnung durch Geld, Macht oder Lob (extrinsisch). Zumal dann auch wieder das Moment der aufgeschobenen Belohnung erschwerend hinzukommt.  Für denjenigen, der den Vorsatz „mehr arbeiten“ gefasst hat, ist die Mehrarbeit eine Strafe. Das Tun kann also nicht intrinsisch motivierend sein. Es sollte daher eine große, möglichst sofort wirksame Belohnung mit der Mehrarbeit verbunden sein. Aber wo gibt es so etwas?  Derjenige, der weniger arbeiten will, muss sich hingegen mit Sanktionen anderer (Kollegen, Vorgesetzte) auseinandersetzen. NEIN sagen kann ein Strafreiz sein, führt aber zu einer Belohnung (weniger Arbeit; wenn nicht intrinsisch motiviert). Anders als bei der Mehrarbeit sanktioniert der NEIN-Sager sich nicht selbst, sondern andere übernehmen dies. Es ist also kognitiv erheblich aufwändiger, Belohnungen und (unsichere) Bestrafungen bzw. deren Valenz abzuwägen und zu einer (zumeist heuristischen) Entscheidung zur Reduktion des Arbeitseinsatzes zu kommen.  Wer sich (innerbetrieblich) weiterentwickeln möchte und dazu eine Weiterbildung benötigt, muss zunächst einmal investieren. Meistens Freizeit für das Erlernen zum Teil langweiliger Inhalte. Vielleicht sogar eigenes Geld. Das ist also mindestens eine doppelte Bestrafung: Weniger Freizeit und zusätzlich langweiliger Lernstoff. Die Beförderung als Belohnung dieses Verhaltens liegt zudem in der Zukunft und ist letztendlich unsicher. Gut ist, wenn man einen Vorgesetzten hat, der einen dabei unterstützt. Der die Perspektive – ähnlich einer individuellen Vision – und die lernenswerten Inhalte aufzeigt. Der gleichzeitig immer wieder nachhakt, den Fortschritt überwacht und die folgende Belohnung greifbar machen kann (wobei man ggf. die Zuwendung des Vorgesetzten an sich schon als Belohnung auffassen könnte). Der bei Rückschlägen unterstützt, neue Wege aufzeigt und durch seine Person ein Vorbild ist. Dann sind gute Vorsätze effektiv umsetzbar. Diese Art und Weise der Führung gibt es – auch mit nachgewiesenen positiven Effekten auf betriebswirtschaftlicher Ebene –, aber noch viel zu selten.  Für andere Menschen ist Weiterbildung vielleicht an sich erstrebenswert. Sie sind im Lernprozess intrinsisch motiviert und bedürfen keiner besonderen Förderung. Mit anderen Worten: Sie brauchen keine guten Vorsätze.  Fazit: Die erfolgreiche Umsetzung guter Vorsätze im Betrieb bedarf eines wirklich guten Chefs. Alleine bleibt es schwierig bis hoffnungslos. 

 [1] Im engeren Sinne spricht man hier auch von „Belohnungsentzug“ oder „negativer Bestrafung“, wobei es beim Rauchen selten um die Belohnung eines zuvor gezeigten Verhaltens im Sinne eines Stimulus-Response-Schemas geht. [2] Im SR-Schema kann das Rauchen selbst als Verhalten interpretiert werden, das durch einen Strafreiz / negative Bestrafung sanktioniert wird. Der Effekt bleibt gleich. [3] Das hört sich vielleicht etwas merkwürdig an, lässt sich jedoch dissonanztheoretisch erklären. 

Bild:  Ian Schneider @ unsplash.com

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Peats Redaktion

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06.03.18

Psychische Gefährdungsbeurteilung – eine Einführung

Was ist psychische Gefährdungsbeurteilung und wie kann die Belastung in Unternehmen gemessen werden? PEATS liefert einen Einführungsartikel zum Thema.

Die psychische Gefährdungsbeurteilung ist bereits seit Jahren verstärkt in den Fokus der Fachleute im Bereich von Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz bzw. bei der Arbeit gerückt. Laut Arbeitsschutzgesetz § 5 zählt nämlich seit Ende 2013 auch die Erfassung der psychischen Belastungen zu den arbeitsschutzgesetzlichen Pflichten der Arbeitgeber. Dies bedeutet, dass jede Organisation und jedes Unternehmen explizit jene Gefährdungen identifizieren muss, die sich für die Beschäftigten aus der diesbezüglichen psychischen Belastung ergeben. Erhebungen und Umfragen beweisen, dass aber immer noch eine gewisse Unsicherheit darüber herrscht, wie die Erfassung durchgeführt werden soll und welche Kriterien maßgeblich für die Beurteilung sind. 

Die psychische Gefährdungsbeurteilung soll Unfällen sowie arbeitsbedingten Gefahren vorbeugen

Gemäß der Pflichten im arbeitsschutzgesetzlichen Rahmen müssen Sie dabei als Arbeitgeber in Ihrem Betrieb Maßnahmen entwickeln und ergreifen, die zur effektiven Ermittlung der entsprechenden Gefährdungen in Ihrem Unternehmen führen. Grundsätzlich soll durch die gesetzlich verankerte psychische Gefährdungsbeurteilung arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren sowie Unfälle vorgebeugt werden. Hierzu zählt dann eben auch die psychische Belastung am Arbeitsplatz beziehungsweise bei der Arbeit. Zum Einsatz kommt dabei eine Vielzahl unterschiedlicher Einflüsse, die als psychisch bedeutsam eingeschätzt werden. Zu diesem Themenkontext gehören auszugsweise die Arbeitsintensität, die Zeitdauer, Lage sowie Verteilung der Arbeitszeit, die soziale Unterstützung im Arbeitsumfeld oder zum Beispiel auch Kriterien wie Beleuchtung, Lärm und Klima.
 

Keine standardisierten Durchführungsempfehlungen - Unternehmensspezifika im Fokus

Fakt ist, dass eine Arbeit ohne die geringste psychische Belastung nicht existent ist. Genauso wenig gibt es keine Tätigkeit im Berufsleben, bei der Sie ohne jede körperliche Belastung auskommen. Sowohl körperliche als aber auch psychische Belastungen in bestimmter Ausprägung können eine gesundheitsgefährdende Wirkung mit sich bringen. Besonders deutlich wird dies zum Beispiel bei einer ungünstig gestalteten Schichtarbeit oder bei hohen leistungs- und zeitbezogenen Anforderungen über einen längeren Zeitraum. Allerdings gibt es noch keine verbindlichen Durchführungsvorschriften für die psychische Gefährdungsbeurteilung. In den gesetzlichen Regelungen ist lediglich klar formuliert, dass derartige Maßnahmen durchgeführt werden müssen. Wie dies aber geschehen soll, bleibt offen. Standards - wie es sie zum Beispiel bei der Leitmerkmalmethode zur manuellen Handhabung von Lasten gibt - existieren noch nicht. Stattdessen haben sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Erhebungsverfahren sowie verschiedene Vorgehensweisen etabliert. Letztendlich hängen die eingeleiteten Maßnahmen aber immer von den unternehmensspezifischen Gegebenheiten und Faktoren, wie etwa Betriebsgröße oder Branche, ab.
 

Messverfahren: Fragebögen, Beobachtungsinterviews und Workshop-Verfahren

Trotz der immer weiter um sich greifenden Digitalisierung und der stetig voranschreitenden Technologisierung können Sie die psychische Gefährdungsbeurteilung allerdings nicht mit einem Gerät oder einer Apparatur durchführen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Sie keine vorgegebenen Einheiten - wie etwa in der Physik - zur Verfügung haben. Ohne eine solche Größe kann ein technisches Gerät aber keine Messungen vornehmen. Auch eine manuelle Erfassung, beispielsweise in Form von Strichlisten, stößt aufgrund des Aufwands schnell an seine Grenzen. Somit hat sich die Methode, die Beschäftigten direkt zu befragen, sie zu beobachten und mit ihnen zu diskutieren, als diesbezüglich beste Lösung herauskristallisiert. Hierbei setzen Unternehmen vor allem auf Workshop-Verfahren, auf so bezeichnete Beobachtungsinterviews sowie auf Fragebögen. Aber Achtung: Bei jeder Befragung bzw. bei jedem Interview haben dabei natürlich auch subjektive Aspekte eine gewisse Relevanz. Gerade zwischenmenschliche Beziehungen stehen hier im Fokus, denn diese sind grundsätzlich nicht direkt messbar.
 

Schritt für Schritt: Die psychische Gefährdungsbeurteilung richtig planen und durchführen

Die Erfassung psychischer Belastungen per Fragebogen beziehungsweise per Interview oder mittels Workshop-Lösungen erfolgt dabei grundsätzlich innerhalb der Kern- bzw. Schwerpunkt-Kategorien Arbeitsinhalt, Arbeitsorganisation, Arbeitsumgebung, Arbeitsmittel und soziale Beziehungen. Der grundsätzliche Ablauf der Erfassung psychischer Belastungen unterscheidet sich dabei quasi nur in Nuancen bzw. im Detail von anderen Gefährdungsbeurteilungen. Dabei sollten Sie Ihre Vorgehensweise rund um die psychische Gefährdungsbeurteilung in folgenden Schritten planen und realisieren:

  • Festlegung der Bereiche bzw. Tätigkeiten, die für die unternehmensspezifische psychische Gefährdungsbeurteilung relevant sind.
  • Ermittlung der psychischen Belastung der Tätigkeit.
  • Beurteilung der psychischen Belastung.
  • Gestaltung und Realisierung von entsprechenden Maßnahmen, sofern diese erforderlich erscheinen.
  • Prüfung der Wirksamkeit der jeweils eingeführten Maßnahmen.
  • Fortschreibung bzw. Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung, sofern sich die Gegebenheiten verändert haben.
  • Erstellen einer abschließenden Dokumentation. 

Tools zur Überprüfung der psychischen Gefährdungsbeurteilung finden Sie im PEATS-Toolfinder.

Psychische Gefährdungsbeurteilung: Im Vorfeld alle relevanten Kriterien festlegen

Wesentlich ist es hier allerdings, dass Sie bereits im Vorfeld bestimmte Aspekte und Kriterien für die Durchführung, die Analyse bzw. die Auswertung sowie für die Ableitung von Maßnahmen detailliert festlegen. Folgende Fragen sollten dabei beantwortet werden:

  • Welche Verfahren kommen zwecks Erfassung zum Einsatz?
  • Wer ist für die Auswertung verantwortlich?
  • Wer erhält Einblick in welche Ergebnisse? 
  • Ab welchem Gefährdungsgrad werden Maßnahmen eingeleitet?
  • In welcher Form werden Maßnahmen aus den Ergebnissen abgeleitet?
  • Wie läuft die Einbindung der Führungskräfte bzw. der Vorgesetzten?
  • Wie lässt sich die Wirksamkeit der realisierten Maßnahmen überprüfen?
     

Die psychische Gefährdungsbeurteilung bezieht sich nicht auf die persönliche Beanspruchung 

Beachten Sie aber, dass Sie nicht fälschlicherweise die psychische Beanspruchung Ihrer Mitarbeiter in den Fokus rücken, sondern sich thematisch tatsächlich auf die psychischen Belastungen konzentrieren. Dies ist explizit im § 5 des Arbeitsschutzgesetzes formuliert. Dies macht aber auch Sinn. Denn wenn es um die Belastungen geht, können die Merkmale einer Tätigkeit vergleichsweise neutral beobachtet, erfasst, hinterfragt und diskutiert werden. Geht es aber stattdessen um die Beanspruchungen und die diesbezügliche Wirkung, sind sehr persönliche Informationen erforderlich. Eine Befragung dieser Art schürt daher häufig Ängste bei den Mitarbeitern, dass die Leistungsfähigkeit überprüft werden soll.
 

Die psychische Gefährdungsbeurteilung ist in drei Analysetiefen unterteilt

Je detaillierter Sie eine psychische Gefährdungsbeurteilung vornehmen möchten, desto größer ist letztendlich dann auch der Aufwand und die erforderliche Expertise. Bei der Erfassung psychischer Belastungen wird dabei grundsätzlich zwischen drei Aufwands- bzw. Analysetiefen unterschieden:

  • Orientierende Verfahren: Hier erfolgen lediglich Messung zur Orientierung, die nicht ins Detail gehen. Dabei werden nur vergleichsweise wenige Fragen gestellt, wobei die Ergebnisse dann Hinweise auf Belastungsschwerpunkte geben. In der Praxis werden bei orientierenden Verfahren etwa 20 Fragen mit je zwei verschiedenen Antwortmöglichkeiten.
  • Screening-Verfahren: Schon etwas genauer, aber dafür auch entsprechend aufwendiger. Es werden im Vergleich zu den orientierenden Fragen rund doppelt so viele Fragen gestellt und zudem auch mehr Antwortmöglichkeiten eingeräumt. Fallspezifisch enthalten manche Screening-Verfahren auch verschiedene Beobachtungselemente. 
  • Experten-Verfahren: Während Sie in den ersten beiden Verfahren keine Experten beauftragen müssen, kommen hierbei zum Beispiel ausgebildete Psychologen zum Einsatz. Dabei nutzen die Experten in erster Linie Workshop-Verfahren und Beobachtungsinterviews, wobei sie die jeweiligen Antworten im Gutachter-Stil auswerten. 

In der Praxis bewährte Handlungsweisen und Vorgehensstrukturen

In der Praxis haben sich bislang im Hinblick auf die psychische Gefährdungsbeurteilung folgende Handlungsweisen und Vorgehensstrukturen als erfolgversprechende Lösungen etabliert:

  • Nutzen Sie die vorhandenen Strukturen, wie beispielsweise den Arbeitsschutzausschuss, und binden Sie die psychische Gefährdungsbeurteilung in diese ein.
  • Messen Sie die Belastungen zunächst in orientierender Form.
  • Greifen Sie auf wissenschaftlich geprüfte Erhebungsverfahren zurück.
  • Durch eine intensive Kommunikation mit den Mitarbeitern identifizieren Sie gezielt relevante Handlungsfelder.
  • Die Beschäftigten sollten kontinuierlich über den aktuellen Stand der jeweiligen Gefährdungsbeurteilung informiert werden. Dies schafft Transparenz, Vertrauen und Motivation.
  • Vernachlässigen Sie auf keinen Fall die Anonymität und den Datenschutz.
  • Gerade Maßnahmen in Kleingruppen haben sich als effektive Lösungen erwiesen.
  • Die Führungskräfte müssen Verantwortung übernehmen. Dafür müssen sie dann aber auch qualifiziert werden.
  • Die Realisierung bzw. die Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen sollten stetig überprüft werden.
     

Entscheidender Nebeneffekt: Die innerbetriebliche Kommunikation wird deutlich verbessert

Anzumerken ist diesbezüglich noch, dass ein Workshop zeitliche Vorteile bietet. Denn hier können Sie Erfassung, Beurteilung und Ableitung von Maßnahmen komprimiert bzw. quasi in einem Arbeitsgang erledigen. Bedenken Sie zudem, dass die psychische Gefährdungsbeurteilung grundsätzlich auf einem strukturierten Prozess basiert und kein singuläres Ereignis darstellt. Die Vorbereitung ist dabei ein ungemein entscheidender Faktor. Es ist relativ leicht sich in die Thematik einzuarbeiten. Nur wenn Sie zum Beispiel Experten-Verfahren zur Erfassung psychischer Belastungen einsetzen, ist fundierte Expertise notwendig. Letztlich zeigen die bisherigen Erfahrungen auf dem Gebiet der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen, dass sich eine gezielt-effektive Umsetzung positiv auf die Arbeit Ihrer Mitarbeiter positiv auswirkt. So verbessert sich vor allem die innerbetriebliche Kommunikation, was dann wieder zu einer Steigerung der Produktivität führt.

Psychische Gefährungsbeurteilung
Arbeitsschutz
Gefährdungsbeurteilung
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Schraner Erfolgslabor GmbH

Eignungsdiagnostik online - effizient für Unternehmer und Berater, zur Begleitung des kompletten Employee Lifecycles

19.10.17

Bewusstseinswandel verbessert psychische Gesundheit

Ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein und ein veränderter Umgang mit psychischen Krankheiten hat einen leichten Rückgang psychisch bedingter Krankheitstage ermöglicht.

Die steigende Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Ursachen sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Nach Muskel- und Skeletterkrankungen rangieren psychische Erkrankungen seit Jahren auf Platz 2 bis 3 der Arbeitsunfähigkeits-Top Ten. Je nachdem, wie stark die Grippewelle des Jahres ausfällt, sind höchstens noch Atemwegserkrankungen vor den seelischen Krankheiten platziert. 

Zwischen 2005 und 2015 hat sich die Zahl der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitstage mehr als verdoppelt. Belastend ist vor allem die hohe Falldauer: im Schnitt fällt ein psychisch Erkrankter mehr als fünf Wochen aus, so die BKK in ihrem Gesundheitsreport 2016. 

Erstmals etwas weniger psychisch bedingte Krankheitstage

Allerdings konnte der BKK-Report dennoch feststellen, dass sich die Zahl der psychisch bedingten AU-Tage erstmals etwas verringert hat – um minus 6,8 AU (Arbeitsunfähigkeits)-Tage pro 100 Arbeitnehmer. Insbesondere für psychische Erkrankungen „stellt dieser Rückgang ein Novum dar, da hier bisher in den letzten 10 Jahren ausschließlich eine Zunahme zu verzeichnen war.“ Die BKK vermutet, dass „ein in den letzten Jahren gewachsenes Gesundheitsbewusstsein, die Stärkung und Umsetzung der Gesundheitsförderung, die zunehmende Entstigmatisierung von psychischen Krankheiten und der Wandel im Umgang der Betroffenen mit ihrer Erkrankung“ sich hier positiv auswirkt. 

Psychische Erkrankungen verlassen die Tabuzone

Aus unserer Sicht hat tatsächlich in den letzten Jahren ein Wandel im Umgang mit psychischen Erkrankungen stattgefunden. Zwar erzählt jemand immer noch leichter, dass er eine Grippe oder Rückenschmerzen hat, aber die meisten schämen sich auch nicht mehr in Grund und Boden, wenn sie eine psychische Erkrankung haben. Dadurch, dass mehr darüber gesprochen, von Prominenten berichtet wird, die Depressionen haben und Burnout als so gängig betrachtet wird wie ein Bandscheibenvorfall, ist es für Betroffene leichter geworden, psychische Probleme einzugestehen. Hier hat sicher auch der Generationenwandel seinen Anteil daran. 

Generationenwandel in punkto Umgang mit Stress und psychischen Problemen

Die Kriegs- und Nachkriegsgeneration war unmittelbar konfrontiert mit vielen psychisch schwer belasteten Menschen. Doch zu der Zeit wurde nicht darüber gesprochen, das Thema wurde verdrängt, die Leute wollten, dass es weitergeht in ihrem Leben und haben gehofft, dass sie die Erlebnisse erfolgreich hinter sich lassen können, wenn sie sie totschweigen. Die heutige Generation hat gelernt, über ihre Empfindungen zu sprechen, der ganze Wellnessbereich mit Yoga, autogenem Training und Meditation ist auf den Einklang von Körper und Seele ausgerichtet.

Stress- und Burnoutprävention in Firmen unterstützt seelische Gesundheit

Gleichzeitig ist die Stressbelastung gegenüber früher gestiegen. Hier sind vor allem Faktoren wie gestiegene Anforderungen und Erwartungen in Berufs- und Privatleben, Mehrfachbelastung von berufstätigen Frauen, teilweise weite Wege zum Arbeitsplatz und multimediale Einflüsse ausschlaggebend. Folgerichtig hat die Stress- und Burnoutprävention auch Einzug gehalten in Betrieben. Die zumindest leichte Rückwärtstendenz psychischer Erkrankungen bestätigt, dass Firmen, die Instrumente zur Stress- und Burnoutprävention wie MENTALindicator und MENTALscreen einsetzen, viel dazu beitragen können, Krankheitstage zu verhindern oder zumindest zu verringern. 

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