Katrin Hundhausen

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07.11.12

Entspannung – ersehnt, vermieden und noch nie so nötig wie heute

Entspannen braucht Wissen, Engagement und Zeit.

Entspannung. Wunderbar, sehnen wir uns nicht alle danach? Endlich Zeit haben, etwas für sich tun, rauskommen aus der täglichen Mühle. Wäre das schön..... Aber diese Wünsche sind nur ein Teil der Realität. Ein anderer Teil ist das, was eben ganz praktisch oft nicht passiert – nämlich Entspannung. Und dabei wissen wir, gut geschult durch Magazine, Yogaunterricht, besorgte Ärzte oder wohlmeinende Lebensgefährten, dass Entspannung wichtig ist. Und wir sie brauchen. Punkt. Und es trotzdem nur selten tun, das Entspannen. Aber warum eigentlich?

Eigentlich sollte Entspannen kinderleicht sein, ist es aber nicht. Denn vor dem Entspannen kommt das Informieren über Entspannung, das Interessieren für die Vielzahl an Techniken, das Überprüfen der Wirksamkeit und das Ausprobieren von Techniken und Lehrern. Es braucht einfach seine Zeit, bis man herausgefunden hat, welches die richtige Entspannungstechnik ist, ob man sie mit einem bestimmten Lehrer erlernt oder über eLearning, Bücher oder CDs,  und wann und wo man schlussendlich praktiziert. Oft werden auf diesem Weg auch Vorurteile gegenüber Entspannung über Bord geworfen, beispielsweise die Verbindung von Entspannung und Esoterik.  

Entspannen ist Arbeit. Für das Entspannen braucht es einen aufmerksamen, achtsamen und wachen Geist, der beobachtet, fühlt und spürt. Der Geist muss sensibel und interessiert sein, von Passivität keine Spur. Diese geistige Achtsamkeit zu halten, fällt uns schwer und es braucht dafür Disziplin und Übung. Nicht zuletzt wird im Yoga die Schlussentspannung, genannt Savasana, als schwierigste Yogaübung angesehen.  

Entspannen konfrontiert uns mit uns selber. In der Entspannung beschäftigen wir uns mit uns und entdecken dabei die Verspannung hier, die ewig alten Schmerzen vom Sportunfall dort, die Unmöglichkeit tief zu atmen. Vielleicht auch einfach Langeweile mit uns, ungeliebte Gefühle oder ungelöste Probleme. Alles zeigt sich, wenn wir nicht vorher die Biege machen. Ich erinnere mich an einige Male Schlussentspannung im Yoga, in denen ich lieber überlegt habe, was es noch einzukaufen gibt oder sonst zu erledigen wäre, als mich wirklich für mich zu interessieren.  

Entspannen kann als Zeichen von Schwäche erscheinen. Das Credo unserer Gesellschaft ist „Yes, I can“ und wir möchten funktionieren, schaffen und leisten. Wir glauben, nichts ist unmöglich und werden darin in der heutigen Zeit der freien Ich-AGs auch von niemandem gebremst. Byung-Chul Han, Professor für Philosophie und Medientheorie, schreibt in seinem Buch „Müdigkeitsgesellschaft“ dazu: „Das Leistungssubjekt ist frei von äußerer Herrschaftsinstanz, die es zur Arbeit zwingen oder ausbeuten würde. Der Wegfall von Herrschaftsinstanz führt nicht zur Freiheit. Es lässt vielmehr Freiheit und Zwang zusammenfallen. So überlässt sich das Leistungssubjekt der zwingenden Freiheit oder dem freien Zwang zur Maximierung der Leistung. Der Exzess der Arbeit und Leistung verschärft sich zu einer Selbstausbeutung. Täter und Opfer sind nicht mehr unterscheidbar.“ Und ganz klar – Entspannen, also bewusst Nicht-Leisten und Nicht-Produktivität, erscheint da überflüssig und fast schwach.  

Entspannen ist Ausdruck von Selbstliebe, die uns sehr schwer fällt. Die Kreativitätstrainerin Julia Cameron verordnet ihren Schülern, jede Woche zwei Stunden Zeit allein zu verbringen, in denen die Schüler etwas machen sollen, was ihnen wirkliche Freude bringt. Und sie warnt im gleichen Atemzug vor den Schwierigkeiten – wie man versucht ist, diese zwei Stunden zu schwänzen, für Routinetätigkeiten zu missbrauchen oder zu verkürzen. Dieser Geiz uns selbst gegenüber wird auch deutlich, wenn wir unsere Entspannung zu kurz kommen lassen.  Also, die Hindernisse liegen klar auf dem Tisch, der Wunsch nach dem entspannten Lebensgefühl auch und die Notwendigkeit von Entspannung in unserem herausfordernden Leben ist offensichtlich. Was tun?  Warum also nicht diese Hindernisse umgehen, besonders bei Entspannungstraining in einem nicht-privaten Bereich wie dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement? Warum nicht eine Entspannungsart wählen, die kinderleicht ist, in vielen Lebenssituationen ohne Vorbereitungen anwendbar ist, den Geist beschäftigt hält, traditionelles und innovatives Wissen um Gesundheit nutzt und, durch Studien überprüft, zuverlässig wirkt? Mit diesen Gedanken habe ich dieses Jahr Jazumi nach Gerlinde Lamberty kennengelernt, eine einfache und effiziente Stresskompetenz- und Regenerationstechnik. Hier werden Entspannungsrituale, Atmung und Handakupressur verbunden und bewirken tiefe Entspannung, sensible Widerstandsfähigkeit und – durch eine Studie nachgewiesen – deutlich verbesserte Schlafqualität. 

Bild: Level17 @iStock.com

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