Stephan Stockhausen , Manufaktur für Wachstum GmbH

Mensch und Wirtschaft natürlich verbunden

02.05.14

Abschied vom Homo oeconomicus

Paradigmenwechsel in der Ökonomie: Kooperation statt Wettbewerb und Eigennutz

Paradigmenwechsel in der Ökonomie: der Homo oeconomicus hat als Modell ausgedient. Ökonomen und Wirtschaftslenker haben lange ausgeblendet, welche Bedeutung Fairness und soziale Faktoren für Verhalten haben. Die neuere Forschung in den Neurowissenschaften sowie der experimentellen Psychologie/Ökonomie erhellt diese blinden Flecke. 

Viele Unternehmen sind heute nach dem Grundsatz aufgebaut: erst die Effizienz, dann die Fairness (analog gilt: erst die Arbeit, dann das Vergnügen). Es gibt reichlich Anreize, sich ausreichend anzustrengen, um seine Position zu verbessern. Wer sich unfair behandelt fühlt, müsse sich einfach mehr anstrengen. Jeder ist doch schließlich seines Glückes Schmied. Wenn jeder für sich sorgt, ist für alle gesorgt - notfalls muss man sich eben auch selbst der Nächste sein. Und in manchen Momenten wägen wir dann ab, was gerade die lukrativste Entscheidung ist, niemand wird sich selbst freiwillig ins Knie schießen. Wir entscheiden schließlich rational und stets nach Kosten-Nutzen-Abwägung.  

Der reine Eigennutz treibe uns also an

So das bisherige Leitbild der Wirtschaft. Gelehrt an Universitäten, in Hierarchien, Managementschulen oder Führungszirkeln hat es sich tief in das Bewusstsein über die Funktionsweise von Wirtschaft in die Köpfe gefressen. Die Auswüchse dieses Denkens kennen wir und zeigten sich in der Spitze des Eisbergs zuletzt in der Bankenkrise.  Es wird Zeit für einen Paradigmenwechsel. Verabschieden wir uns vom Homo oeconomicus. Begrüßen wir den Homo Cooperativus.  Wie abhängig unsere Entscheidungen und unser Verhalten von emotionalen Einflüssen sind, wissen wir dagegen inzwischen aus einer Vielzahl empirischer und neurologischer Untersuchungen.  Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen auf, wie sehr beispielsweise Unfairness die Motivation zerstört. Fairness meint damit nicht, alle gleich zu behandeln, sondern jeden gemäß seines Beitrags, seiner Fähigkeiten usw. zu behandeln. Unter Systemikern ist dies längst als Systemische Regeln bekannt.  Bauchentscheidungen treffen wir viel häufiger als wir meinen, Wahrnehmungsfehler lassen uns mit Schubladendenken und verzerrter Wahrnehmung durchs Leben rauschen, der Herdentrieb fördert oder hemmt bestimmte Entscheidungen… Die Liste der blinden Flecken der Anhänger des rein Rationalen ist lang. Wissenschaftlern wie beispielsweise Prof. Dr. Armin Falk sei Dank, dass diese Flecken nun erhellt werden.  Wer sich den Ergebnissen der experimentellen Wissenschaften stellt, erkennt schnell, wie wichtig die natürliche Verbindung zwischen Mensch und Ökonomie ist. Menschen sind auf Gegenseitigkeit ausgerichtet, sie wollen kooperieren und daher messen sie unbewusst, wie fair sie ihr Umfeld erleben. Einem Bankkonto ähnlich gibt es Vertrauens- oder Fairnesseinzahlungen, aber auch Abbuchungen, wobei Menschen diese deutlich intensiver erleben und abspeichern.  Steht ein Vertrauenskonto dauerhaft im Minus, hat das Auswirkungen - meist zum Nachteil der Organisation, des Teams, der Gruppe oder der Beziehung, in der Menschen dies erleben. Eine Vielzahl ungelöster Konflikte in Unternehmen geht im Kern hierauf zurück.  Steht das Konto dauerhaft im Plus hat dies allerdings auch Auswirkungen. Das Streben nach gemeinsamen Erfolg, die Bereitschaft, sein Bestes zu geben, einander zu vertrauen und damit effizienter zu handeln, aus Empathie und Rücksicht den Eigennutz zurückzustellen, seine Rolle in der Gruppe einzunehmen - dieses Verhalten kann man nicht mit Geld, aber mit Fairness kaufen.  Der Preis für eigenes (Führungs-)Verhalten fällt im Miteinander allerdings tagtäglich und in jeder Interaktion an. 

Bild: Level 17 @iStock.com

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