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17.02.10

"Die Ratio allein bewegt überhaupt nichts"

Wie viel Spielraum haben wir wirklich, um unser Verhalten zu ändern?

Der Philosoph Richard David Precht und der Hirnforscher Gerhard Roth über das Ich-Bewusstsein, die Willensfreiheit und die Schwierigkeit, sich zu ändern.

Hier geht es direkt zum SPIEGEL-STREITGESPRÄCH  In dem Artikel beschreibt Precht, dass wir nur einen kleinen Spielraum hätten, in dem wir unser Verhalten ändern könnten. Roth schließt sich dem an, er geht von etwa 20 Prozent aus. Der Spielraum wird von der Persönlichkeit definiert, die Empirie zeige drei verschieden Typen. Eine kleine Gruppe Menschen, die auch unter schwerstem Druck nichts von ihren Prinzipien abbringen kann - Eine zweite, kleine Gruppe ist äußerst flexibel. Die größte Gruppe bilden die, denen es unterschiedlich schwerfällt, sich zu ändern. Die Persönlichkeit eines Menschen sei entscheidend bei der Fähigkeit sich zu ändern, zu höchstens 30 Prozent sei diese Fähigkeit angeboren, 50 Prozent sei frühkindliche Prägung, der Rest gesellschaftliche Determination plus etwas, was wir noch nicht wissen.  Precht meint, dass das Temperament am allerschwersten zu ändern wäre. Bei einer Depression helfe keine Vernunfterkenntnis, das Einzige, was dieser Mensch lernen könne, sei, intelligenter mit der Melancholie umzugehen und die Schwäche nicht zu kultivieren, sondern über sie schmunzeln oder sogar lernen, über sie zu lachen. Viel mehr könne die Ratio nicht bewirken.  

Zur Frage, wer denn nun unser Handeln steuere, das denkende oder das fühlende Ich, sagt Precht, das die Gefühle uns zentral ausmachen und unser Handeln und unser Denken bestimmen. Selbst die logischsten Überlegungen kämen nicht ohne Gefühle aus. Auch der Hirnforscher Roth gibt zu bedenken, dass unsere Ratio allein nichts bewegt, sondern dass wir elementar von unseren Affekten und der frühkindlichen emotionalen Konditionierung bestimmt werden. "Wir müssen eine Instanz haben, mit der wir überlegen können, was wir tun sollen, bevor wir etwas tun - das ist die Ratio. Sie hält inne, den Impuls zu handeln gibt sie aber nicht."  

Bild: Niklas Veenhuis @unsplash.com

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