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19.10.17

Bewusstseinswandel verbessert psychische Gesundheit

Ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein und ein veränderter Umgang mit psychischen Krankheiten hat einen leichten Rückgang psychisch bedingter Krankheitstage ermöglicht.

Die steigende Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Ursachen sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Nach Muskel- und Skeletterkrankungen rangieren psychische Erkrankungen seit Jahren auf Platz 2 bis 3 der Arbeitsunfähigkeits-Top Ten. Je nachdem, wie stark die Grippewelle des Jahres ausfällt, sind höchstens noch Atemwegserkrankungen vor den seelischen Krankheiten platziert. 

Zwischen 2005 und 2015 hat sich die Zahl der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitstage mehr als verdoppelt. Belastend ist vor allem die hohe Falldauer: im Schnitt fällt ein psychisch Erkrankter mehr als fünf Wochen aus, so die BKK in ihrem Gesundheitsreport 2016. 

Erstmals etwas weniger psychisch bedingte Krankheitstage

Allerdings konnte der BKK-Report dennoch feststellen, dass sich die Zahl der psychisch bedingten AU-Tage erstmals etwas verringert hat – um minus 6,8 AU (Arbeitsunfähigkeits)-Tage pro 100 Arbeitnehmer. Insbesondere für psychische Erkrankungen „stellt dieser Rückgang ein Novum dar, da hier bisher in den letzten 10 Jahren ausschließlich eine Zunahme zu verzeichnen war.“ Die BKK vermutet, dass „ein in den letzten Jahren gewachsenes Gesundheitsbewusstsein, die Stärkung und Umsetzung der Gesundheitsförderung, die zunehmende Entstigmatisierung von psychischen Krankheiten und der Wandel im Umgang der Betroffenen mit ihrer Erkrankung“ sich hier positiv auswirkt. 

Psychische Erkrankungen verlassen die Tabuzone

Aus unserer Sicht hat tatsächlich in den letzten Jahren ein Wandel im Umgang mit psychischen Erkrankungen stattgefunden. Zwar erzählt jemand immer noch leichter, dass er eine Grippe oder Rückenschmerzen hat, aber die meisten schämen sich auch nicht mehr in Grund und Boden, wenn sie eine psychische Erkrankung haben. Dadurch, dass mehr darüber gesprochen, von Prominenten berichtet wird, die Depressionen haben und Burnout als so gängig betrachtet wird wie ein Bandscheibenvorfall, ist es für Betroffene leichter geworden, psychische Probleme einzugestehen. Hier hat sicher auch der Generationenwandel seinen Anteil daran. 

Generationenwandel in punkto Umgang mit Stress und psychischen Problemen

Die Kriegs- und Nachkriegsgeneration war unmittelbar konfrontiert mit vielen psychisch schwer belasteten Menschen. Doch zu der Zeit wurde nicht darüber gesprochen, das Thema wurde verdrängt, die Leute wollten, dass es weitergeht in ihrem Leben und haben gehofft, dass sie die Erlebnisse erfolgreich hinter sich lassen können, wenn sie sie totschweigen. Die heutige Generation hat gelernt, über ihre Empfindungen zu sprechen, der ganze Wellnessbereich mit Yoga, autogenem Training und Meditation ist auf den Einklang von Körper und Seele ausgerichtet.

Stress- und Burnoutprävention in Firmen unterstützt seelische Gesundheit

Gleichzeitig ist die Stressbelastung gegenüber früher gestiegen. Hier sind vor allem Faktoren wie gestiegene Anforderungen und Erwartungen in Berufs- und Privatleben, Mehrfachbelastung von berufstätigen Frauen, teilweise weite Wege zum Arbeitsplatz und multimediale Einflüsse ausschlaggebend. Folgerichtig hat die Stress- und Burnoutprävention auch Einzug gehalten in Betrieben. Die zumindest leichte Rückwärtstendenz psychischer Erkrankungen bestätigt, dass Firmen, die Instrumente zur Stress- und Burnoutprävention wie MENTALindicator und MENTALscreen einsetzen, viel dazu beitragen können, Krankheitstage zu verhindern oder zumindest zu verringern. 

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Das 7-Phasen-Modell von Prof. Burisch

Nach wie vor rollt die Burnout-Welle durch unser Land. Der Ton hat sich jedoch etwas verändert: das Ausbrennen nervt.

Nach wie vor rollt die Burnout-Welle durch unser Land. Der Ton hat sich jedoch etwas verändert: das Ausbrennen nervt, wird lästig. Die Berichterstattung wird zunehmend zynisch. Das passt zum Thema Burnout wie die Faust aufs Auge: Zynismus ist eines der klassischen Burnout-Symptome. „Noch jemand ohne Burnout?“ lautete der Leitartikel der ZEIT vom 1. Dezember 2011. Und das Satire-Magazin TITANIC bietet im gleichen Monat Tipps und Selbsttests an, die gar nicht so weit entfernt von den Inhalten der ernstgemeinten Magazine sind. 

Trendthema: Burnout 

Viele Coaches, Berater, Ärzte und Heilpraktiker entdecken einen riesigen neuen Markt für sich. Burnout-Fortbildungen und -Coachings werden angeboten. Alle sind plötzlich auf Burnout spezialisiert. Auch die, deren Spezialisierung noch vor einem Jahr eine ganz andere war.  Ich lese irritiert jeden neu erscheinenden Artikel über Burnout und wundere mich, wann mal die wirklichen Experten zu Wort kommen: die, die schon seit vielen Jahren zum Thema Burnout forschen und schreiben - und nicht erst in den letzten zwei, drei Jahren auf den Zug aufgesprungen sind. 

Einer davon ist Prof. Dr. Matthias Burisch von der Uni Hamburg, dessen 7-Phasen-Modell ich hier erläutern möchte. Die erste Auflage seines Buchs „Das Burnout-Syndrom“ erschien bereits 1989. Der Ur-Vater der Burnout-Forschung ist Herbert Freudenberger. Der 1999 verstorbene deutsch-amerikanische Psychologe und Psychoanalytiker publizierte den ersten wissenschaftlichen Artikel zum Thema Burnout bereits 1975. Sein Buch „Burnout bei Frauen“ habe ich - damals selbst auf dem Weg in einen Burnout – mir 1999 gekauft: die erste Ausgabe erschien bereits 1994.  

Das Thema Burnout ist also alles andere als neu – und es wurde viel dazu geforscht. Problem jedoch ist, dass die Burnout-Forscher sich eher gegenseitig bekämpfen und es nur Quer-, kaum Längsschnittstudien gibt. Dadurch bleibt vieles in den Studien ungeklärt: Was ist Ursache, was Folge und was Korrelat? Ina Rösing hat dieses Phänomen in der Burnout-Forschung 2003 in ihrem Buch „Ist die Burnout-Forschung ausgebrannt?“ untersucht.  So schön es ist, dass das Thema Burnout durch die Medienpräsenz vielleicht etwas von seinem Tabu verlieren könnte – ist das Ausbrennen doch nach wie vor schambesetzt und geht mit Versagensängsten einher. Meine Klienten sind immer noch nicht stolz darauf, einen Burnout zu haben oder gefährdet zu sein. Auch wenn das Thema noch so hip ist und häufig sehr platt ausgeschlachtet wird.  Deshalb liegt es mir sehr am Herzen, hier in diesen Burnout-Infos einen Einblick in die Arbeit von den Menschen zu geben, die sich seriös und langfristig dem Thema widmen. 

7-Phasen-Modell von Burisch

Nachfolgend stelle ich das sog. 7-Phasen-Modell von Burisch dar, das die Symptomatik und den klassischen Verlauf bzw. die Entwicklung eines Burnouts erklärt:  

  1. Warnsymptome der Anfangsphase 
  2. Reduziertes Engagement / Rückzug 
  3. Emotionale Reaktionen / Schuldzuweisungen 
  4. Abbau 
  5. Verflachung 
  6. Psychosomatische Reaktionen 
  7. Verzweiflung 

Nachfolgend finden Sie detaillierte Infos zu den Phasen und wichtige Hinweise von Prof. Burisch.

Wichtig: Nicht alle Symptome treten bei allen Betroffenen auf. Teils widersprechen sich die Merkmale sogar, auch dies ist von Person zu Person unterschiedlich. Ebenso können andere (hier nicht aufgeführte) Symptome hinzukommen. Die Phasen können sich verschieben, teils werden sie übersprungen. Ebenso ist auch ein Wechsel in beide Richtungen möglich. Genau das macht die Definition von Burnout und die Abgrenzung zu Depression, Stress, Bore Out und dem Chronique Fatigue Syndrom auch so schwierig: alle Burnout-Forscher sind sich über die „individuelle Natur“ von Burnout einig. 

1. Warnsymptome der Anfangsphase 

  • Vermehrtes Engagement für Ziele: überhöhter Energieeinsatz. - Hoher Idealismus - Hohe / unrealistische Ziele - Überhöhte Ansprüche - Nach der Arbeit nicht mehr abschalten können: Teufelskreis durch fehlende Erholung geschwächte Widerstandskraft / Effizienz 
  • Gleichzeitig Gefühle von Erschöpfung - Müdigkeit - Energiemangel - Unausgeschlafenheit 
  • Des Weiteren häufig zu beobachten: - Gefühl, nie Zeit zu haben („Hurry-Sickness“) - Verleugnung eigener Bedürfnisse - Hyperaktivität - Verdrängung von Misserfolgen und Enttäuschungen - Gefühl der Unentbehrlichkeit (vgl. A/B-Typen) 

Burisch ist übrigens überzeugt davon, dass nicht die Arbeitsmenge zählt, sondern die Gefühlslage, mit der man seine Arbeit erledigt: „Wenn Einsatz und Ertrag, Anstrengung und Belohnung, Negatives und Positives in keinem allzu krassen Missverhältnis stehen, dann kann ein hoher Grad von Engagement jahrelang aufrecht erhalten werden.“ Auch wenn unsere Arbeitswelt durch permanente Erreichbarkeit, Globalisierung der Märkte (es gibt keinen „Feierabend“ per se mehr) etc. heute mehr Burnout-Potential als noch vor 20 Jahren hat, bestätigt Burischs Zitat, dass wir nicht automatisch Ausbrenn-Opfer dieser veränderten Welt werden müssen. Vorgesetzte haben über Ihr Führungsverhalten, Unternehmer über Team- und Organisationsformen, Personalentwicklung und Entlohnungsstrukturen große Möglichkeiten, der Burnout-Gefahr entgegen zu wirken. Auch der Arbeitnehmer selbst braucht sich nicht als Opfer der bösen Businesswelt oder des ausbeutenden Chefs zu verstecken, sondern kann selbst über die Balance der o.g. Kriterien für Zufriedenheit sorgen. 

2. Reduziertes Engagement / Rückzug  

  • Rückzug Kunden / Patienten bzw. der Arbeit gegenüber → Aus Begeisterung wird Überdruss: - Desillusionierung - Verlust positiver Gefühle ggü. Kunden / der Arbeit - Widerwillen und Überdruss - Widerstand, täglich zur Arbeit zu gehen - Den Feierabend, das Wochenende bzw. den nächsten Urlaub herbeisehnen - Zynismus: „Die Niere von Zimmer 43 nervt“ - Schuldzuweisung für Probleme beim Kunden: „Die sind doch selbst schuld….“ - Meidung von Kontakt mit Kunden / Kollegen - Stereotypisierung von Kunden, Abwertung: „Das ist wieder so ein Idiot, der….“ - Aufmerksamkeitsstörungen in der Interaktion mit Kunden 
  • Wo früher eher im Übermaß gegeben wurde, wird jetzt genommen: - Überziehen von Arbeitspausen - später Arbeitsbeginn - früher Arbeitsschluss - Fehlzeiten - Konzentration auf die eigenen Ansprüche und Bedürfnisse - Verlagerung des Schwergewichts auf die Freizeit – Aufblühen am Wochenende 
  • Rückzug von der Familie / Freunden gegenüber - Unfähigkeit oder Unwille zu geben (teils anderes Selbstbild) - Verlust des Einfühlungsvermögens / Verständnislosigkeit - Schwierigkeiten, anderen zuzuhören - „Ich habe tagsüber genügend Probleme zu lösen: da will ich abends wenigstens meine Ruhe haben.“ 

3. Emotionale Reaktionen / Schuldzuweisungen 

Durch die Desillusionierung, das Aufgeben früherer Ziele und den Wegfall von ehemaligen Befriedigungsquellen müsste eigentlich Trauerarbeit stattfinden, um wieder frei für neue Ziele und Motivatoren zu sein. Da der Burnout-Prozess jedoch in diesem Stadium eher selten bewusst erlebt und erkannt wird, gibt es zwei Möglichkeiten, mit der Schuld für den unbefriedigenden Zustand umzugehen: A) wirft depressiv-ängstlich sich selbst das Versagen vor: Ich kriege das nicht hin, bin nicht gut genug für diesen Job. B schreibt aggressiv-gereizt-paranoid der Umwelt die Verantwortung zu: die böse Welt, das System oder zumindest der unfähige Chef, die ausbeutende Firma sind dran Schuld.  

  • Depression: der Ausbrennende sieht die Schuld bei sich - Gefühle der Hilflosigkeit - Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeit gehen zurück - Schuldgefühle - Reduzierte Selbstachtung - Insuffizienzgefühle - Gedankenverlorenheit - Selbstmitleid - Humorlosigkeit - Unbestimmte Angst – Nervosität - Abrupte Stimmungsschwankungen - Verringerte emotionale Belastbarkeit - Bitterkeit - Abstumpfung, Gefühl von Leere und Abgestorbensein - Schwächegefühl - Neigung zum Weinen - Ruhelosigkeit - Gefühl des Festgefahrenseins - Pessimismus, Fatalismus - Apathie - Selbstmordgedanken 
  • Agression: der Ausbrennende sieht die Schuld bei anderen - Reizbarkeit – Nörgeleien – chronisch gereizte Stimmung – Launenhaftigkeit - Häufige Konflikte mit anderen - Gefühl des Angegriffenseins: „Alle hacken nur auf mir rum“ – „Die wollen mich absägen“ - Negativismus – Pessimismus – Misstrauen - Schuldzuweisungen an andere oder „das System“ – Vorwürfe anderen gegenüber - Verleugnung der Eigenbeteiligung - Ungeduld – Intoleranz – Kompromissunfähigkeit 

Burisch sieht in diesem Stadium die Chance für erfolgreiche Problemlösungen schon gemindert und vermutet, dass viele Ausbrenner kurz vorher die Notbremse ziehen. Dies bestätigt die Bedeutung von Burnout-Prävention in Unternehmen: bevor die Firmen ihre Leistungsträger und ehemals hochmotivierten Mitarbeiter verlieren.  

4. Abbau der Leistungsfähigkeit 

  • Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit: - Konzentrations- und Gedächtnisschwäche - Schwierigkeiten bei komplexen Aufgaben - Desorganisation - Unfähigkeit zu klaren Anweisungen - Probleme, Entscheidungen zu fällen 
  • Gesunkene Motivation: - Verringerte Initiative: Ungenauigkeit – Flüchtigkeitsfehler - Verringerte Produktivität - Dienst nach Vorschrift 
  • Undifferenzierte Wahrnehmung: - Rigides Schwarz-Weiß-Denken - Widerstand gegen Veränderungen aller Art („Das haben wir schon immer so gemacht…“) 
  • Gesunkene Kreativität: - Verringerte Fantasie - Rückgang der Innovationskraft - Reduzierte Flexibilität 

5. Verflachung 

• Emotionales Leben: - Gleichgültigkeit - Verflachung gefühlsmäßiger Reaktionen 

• Soziales Leben: - Beschäftigung mit sich selbst – Freunde ziehen sich zurück – Einsamkeit - Meidung informeller Kontakte - Eigenbrötelei 

• Geistiges Leben: - Desinteresse - Aufgabe von Hobbies - Langeweile

6. Psychosomatische Reaktionen 

Natürlich zeigen sich psychosomatische Reaktionen auf vielfältige Arten auch schon in den vorherigen Phasen:

  • veränderte Essgewohnheiten und damit einhergehende Gewichtszu- oder Abnahme, - Verspannungen, Kopfschmerzen und Rückenbeschwerden durch Bewegungsmangel, - erst Schlafprobleme, dann Konzentrationsmangel, wenn die Job-Themen nachts den Schlaf beeinträchtigen.  

In diesem Stadium werden die psychosomatischen Reaktionen unübersehbar. Die Bandbreite beim ein Burnout-Syndrom ist riesig, was genau durch den Begriff angedeutet wird.  Zusammentreten einzelner, für sich genommen uncharakteristischer Krankheitszeichen. Symptome können sein: 

  • Muskelverspannungen: Hals, Nacken, Rücken etc. 
  • Schlafstörungen: Einschlaf- und Durchschlafprobleme, Alpträume
  • Kopfschmerzen / Migräne 
  • Verdauungsstörungen: Magen / Darm ,  Übelkeit, Magen-Darm-Geschwüre
  • Schwächung des Immunsystems (häufige Erkältungen etc.) 
  • Unfähigkeit zur Entspannung - Koronare Herzerkrankungen, Herzklopfen, Beschleunigter Puls, Erhöhter Blutdruck 
  • Panikattacken
  • Angst vor der Angst
  • Atembeschwerden (Kurzatmigkeit, Asthma etc) 

7. Verzweiflung 

  • Existenzielle Verzweiflung: Aus dem temporären Gefühl der Hilflosigkeit wird das chronische Gefühl der Hoffnungs- und Sinnlosigkeit. 
  • Negative Einstellung zum Leben: da Zuversicht und Sinn fehlen. 
  • Selbstmordgedanken: als letzter Ausweg.  


Wenn Sie möchten, können Sie dieses 7-Phasen-Modell mit den Detail-Infos auch als Bestandsaufnahme nutzen: markieren Sie die Ihnen bekannten (bzw. bewussten) Symptome. Dies ersetzt natürlich keinen Burnout-Test, wie beispielsweise den Maslach-Burnout-Inventory nach der Burnout-Forscherin Christina Maslach: den gibt’s als kostenlosen Online-Test auf www.maincoach.de.  

Bild: Dhoxax @iStock.com

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12.10.17

Wie Stress und Gehalt die Mitarbeiterzufriedenheit beeinflussen

Inwieweit wirken sich Stress und Gehalt auf die Mitarbeiterzufriedenheit aus? PEATS erklärt, wie Unternehmen mit Gesundheits- und Stressmanagement die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigern können.

Ihre Karriere ist vielen Menschen wichtig. Das gilt für jene, die gerade ihr Abitur machen wie für jene, die ein Studium begonnen haben oder bereits ihre ersten Schritte im Berufsleben wagen. Nicht jeder setzt die eigene Karriere weit oben auf die Prioritätenliste, doch einen Beruf zu erlangen, der zufriedenstellend ist, beschreiben viele als ein absolutes Grundbedürfnis. Dazu kommen natürlich Faktoren wie ein faires Gehalt und ein optimales Stressniveau. 

PEATS schlüsselt auf, in welchen Berufen die Parameter Gehalt und Stress besonders hoch beziehungsweise niedrig sind und gibt Beispiele, wie Unternehmen mittels Stress- und Gesundheitsmanagement die Mitarbeiterzufriedenheit steigern können. 

Gute Bezahlung, schlechte Bezahlung

Um heutzutage einen gut bezahlten Job zu bekommen, ist Bildung unerlässlich. Tatsächlich ist es so, dass viele Berufe mit einer überdurchschnittlichen Bezahlung ein Studium voraussetzen - dies gilt insbesondere dann, wenn Beschäftigte eine Führungsposition anstreben. Grob gesagt, je höher die Qualifikation im Berufsleben in Deutschland ist, desto besser ist die Bezahlung.Es gibt hier aber auch Ausnahmen, wie beispielsweise Berufe, in denen statt theoretischem Wissen der Praxisbezug im Vordergrund steht. Hierzu gehören IT-Profis sowie Vertriebler.

Berufe mit hoher Vergütung

Jedes Jahr bringen diverse Wirtschaftsmagazine und -Institute eine Liste heraus, in denen die Topverdiener in diesem Land stellen. Zu den bestbezahlten Berufen in 2017 gehören unter anderem Ober- und Fachärzte, Fondsmanager, Corporate Finance Manager sowie Patent-, Vertriebs- und Versicherungsingenieure. Doch auch Regionalverkaufsleiter und Justiziare gehen mit einem hohen Gehalt aus dem Monat.

Berufe mit niedriger Vergütung

Wer sich dagegen für eine Anstellung im Handwerk, im sozialen oder im Dienstleistungsbereich entscheidet, muss mit unkonventionellen Arbeitszeiten und einer geringeren Entlohnung rechnen. Viele Berufe, in denen weniger Qualifikationen benötigt werden, stehen in der Gehaltsliste weiter unten. Dies trifft jedoch nicht für alle zu - Sozialpädagogen und Pflegekräfte weisen zahlreiche Fachkenntnisse und Qualifikationen auf, dennoch verdienen sie vergleichsweise wenig.

Zu den Berufen mit dem geringsten Gehalt gehören 2017 unter anderem Beschäftigte aus dem Bereich Zimmerservice, Zahnarzthelfer und Berufskraftfahrer. Köche, Küchenhelfer, Friseure, Call Center Agents und Kassenpersonal zählt zum Dienstleistungsbereich und damit ebenso zu den Beschäftigten mit den niedrigsten Bruttogehältern. 

Langfristig motivieren - mit oder ohne Gehalt?

Das Gehalt entscheidet nicht allein, ob ein Beruf gut oder schlecht ist. Ein Rückschluss auf die besten/schlechtesten Berufe ist also nur aus einer Kombination mehrerer Parameter möglich.

Vielen der Jobs im Niedriglohnsektor fehlt nicht nur die faire Bezahlung, sondern vor allem auch die gesellschaftliche Anerkennung. Die hat oftmals einen sehr viel größeren Einfluss auf die Zufriedenheit des Mitarbeiters als die reine Vergütung. Einen direkten Einfluss der Bezahlung auf die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter ist aber nicht gegeben. 

Erhält ein Mitarbeiter eine Gehaltserhöhung, so steigt die Motivation vorübergehend an. Diese lässt nach einigen Monaten bereits wieder nach. Unternehmen müssen hier also gezielt ansetzen und ihre Mitarbeiter motivieren, wenn es aus der allgemeinen Gesellschaft nur wenig Zuspruch gibt. Dies können Benefits wie Sportangebote oder Weiterbildungsmöglichkeiten sein. 

Der Stressfaktor im Job

Stress wird ganz unterschiedlich wahrgenommen und bewertet. Einige können unter etwas Stress und Zeitdruck besser arbeiten und kreativ sein als bei stetiger Ruhe. Andere sind genau entgegengesetzt gepolt - in der Ruhe liegt die Kraft. Ein Großteil der Menschen empfindet ihre Arbeit jedoch als stressig, Termine müssen eingehalten, ein ungeplanter Anruf entgegengenommen und kurz vor Feierabend noch eine Präsentation überarbeitet werden.

Das Erledigen eiliger Aufgaben und die individuelle Wahrnehmung von Stress existieren aber tatsächlich in allen Karriere- und Gehaltslevels. So klagen die Oberärzte über die hektische Aktivität an ihrem Arbeitsplatz ebenso wie Juristen oder Ingenieure unter Zeitdruck. Aber auch Berufskraftfahrer, Kassiererinnen oder Mitarbeiter im Call Center leiden unter einem ständigen Stresserlebnis an ihrem Arbeitsplatz. Als besonders stressig gelten Berufsbilder wie Piloten, Soldaten, Taxifahrer, Event-Manager und Polizisten wie auch Feuerwehrmänner. Das deckt sich zum Teil auch mit anderen Studien zum Stressempfinden.  

Nur wenige können behaupten, dass sie sich bei ihrer Arbeit entspannen. Als besonders stressfrei gelten Tätigkeiten wie beispielsweise Rettungsschwimmer oder als Datenanalyst.

Unter einem stressigen Job leidet die Motivation - unter einem zu stressfreien allerdings auch.

Es gibt viele Möglichkeiten, um den beruflichen Stress oder die Langeweile am Arbeitsplatz zu reduzieren.

Gesundheit- und Stressmanagement ist wichtiger Bestandteil der Personalentwicklung

Wer als Arbeitgeber zu wenig gegen Stress oder Langeweile investiert, riskiert ein Burnout- oder Boreout-Syndrom des Mitarbeiters.

Die Personalentwicklung ist bei Problemen dieser Art der richtige Ansprechpartner, der den richtigen Hebel umlegen kann: Sie können sich dem Gesundheitsmanagement und der Stressbewältigung der Belegschaft annehmen. 

Zur Stressbewältigung ist es hilfreich, neue Wege im Arbeitsmanagement vorzustellen und umzusetzen. Wer sich in seinem Beruf langweilt, sollte gemeinsam mit dem Vorgesetzten und der Personalentwicklung neue Aufgabenfelder erschließen. Neue Tätigkeiten können über Fortbildungen oder Zusatzqualifikationen erlernt werden und können den Mitarbeiter ungemein motivieren. Auch ein konkretes Motivationstraining ist sinnvoll. Der schwierigste Aspekt ist in beiden Fällen das Eingeständnis des Mitarbeiters: Nur wer regelmäßig Feedbackgespräche führt, schafft Vertrauen zu seiner Belegschaft und kann hinsichtlich Stress und Unterforderung mit ehrlichen Aussagen rechnen. 

Generell gilt: Ein Unternehmen sollte über Auslastungen und Zufriedenheit der Mitarbeiter in Kenntnis sein, sodass diese bei Missständen entsprechend schnell reagieren können. Hierbei helfen Personalentwicklungskonzepte. Diese ersparen unter Umständen das Ausschreiben einer neuen Vakanz und verhindern Mitarbeiterfluktuationen. 

Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements stehen Personalentwicklern eine große Bandbreite an therapeutischen Maßnahmen zur Verfügung: Betriebssportarten oder Vergünstigungen in Fitnesscentern, Yogakurse oder rückenstärkendes Training schaffen neue Anreize für die Belegschaft. Sie helfen Mitarbeitern in stressigen Tätigkeitsfeldern bei der Stressbewältigung und können gleichzeitig Arbeitnehmer in monotonen Aufgabengebieten motivieren. 

Obgleich das Gehalt oft eine wichtige Rolle bei der Berufswahl einnimmt, so ist es doch bei der beruflichen Tätigkeit schnell in den Hintergrund gerückt. Der Gehaltscheck hat dann eben doch keine so große Wirkung auf die Arbeitsmotivation und -zufriedenheit des Mitarbeiters. Faktoren wie Stress, das Betriebsklima oder motivierende Vorgesetzte haben einen sehr viel höheren Stellenwert bekommen. 

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Peats Redaktion

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20.12.17

Achtsamkeit statt guter Vorsätze

Wahre Veränderungen werden nicht von äußeren Anlässen, sondern durch innere Achtsamkeit geleitet. Was ist Achtsamkeit und wie können wir diese erlernen?

Die Jahreswende steht wieder vor der Tür und seien wir ehrlich: Das Ritual der Vorsätze um Neujahr klappt doch nur in den seltensten Fällen. Wir möchten gesünder leben, fitter sein und an unseren Zielen festhalten. Doch oftmals ist schon nach wenigen Wochen der Alltagstrott an die Stelle der Vorhaben getreten.  Wahre Veränderungen werden nämlich nicht von äußeren Anlässen, sondern durch innere Achtsamkeit geleitet. 

Dies liegt meistens an der Motivation. Wir können hier zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation unterscheiden. Bei der Umsetzung neuer Strategien und Lösungen ist ein Jahreswechselritual wenig hilfreich, weil das Ritual von außen auf uns einwirkt. Das Ankurbeln einer achtsamen Einstellung kann hierbei aber helfen.  Aber: Was ist Achtsamkeit und wie können wir diese erlernen? 


Was ist Achtsamkeit?

Laut des Psychologie Lexikons bedeutet Achtsamkeit, sich auf sich selbst zu besinnen und den Moment wahrzunehmen. Alle Gefühle, Wahrnehmungen und Fantasien zu akzeptieren und wahrzunehmen. Egal, ob wir Fröhlichkeit oder Trauer spüren. Wir erkennen die Empfindungen, verdrängen, bewerten oder analysieren diese aber nicht.  

Es geht eigentlich nur darum, sich nach innen zu wenden und sich auf den gegenwärtigen Moment zu beziehen – nicht so viel Gedanken über die Vergangenheit oder die Zukunft zu entwickeln. Das Ziel sollte es sein, Entscheidungen darüber zu treffen, was im aktuellen Moment wichtig und richtig für sich als Individuum ist.

Routine und Gewohnheiten sind Gegner der Achtsamkeit

Die meisten Menschen sind den Großteil ihrer Zeit wahrscheinlich nicht besonders achtsam – dies liegt daran, dass wir so viele Tätigkeiten routiniert ausüben (zum Beispiel Zähneputzen) und uns zahlreiche Gedanken über vergangene oder zukünftige Handlungen beschäftigen (To-Do-Listen, verpatzte Situationen in der Vergangenheit).

Durch zu wenig Achtsamkeit, verlieren wir uns in Gedanken, grübeln über die Zukunft und setzen uns unter Druck. Diese Gedankenkette gilt es zu durchbrechen. Achtsamkeit hilft dabei, Stress zu verringern und reduziert das Risiko, an psychischen Erkrankungen wie Burn-Out, Depressionen oder Borderline zu erkranken. Es stärkt die eigenen inneren Ressourcen und stabilisiert den Geist. 

Wie können wir achtsamer werden?

Auf diese Frage gibt es leider keine pauschale oder allgemeingültige Antwort, sondern viele individuelle. Sicher ist, dass die Aussicht auf ein gesünderes Leben, weniger Pfunde oder mehr Zufriedenheit als permanenter innerer Antrieb ein deutlich besserer Motor sind als jeder externe Faktor. Sie führen zu intrinsischen Handlungen. Intrinsische Handlungen sind eigenbestimmte, aus dem eigenen Antrieb heraus gewählte Vorgänge, die keinerlei äußeren Anstoß benötigen. Sie sind äußerlich nicht beobachtbar und sogar versteckt.

Eigene intrinsische Motive zu entwickeln oder nach ihnen zu handeln, ist oft nicht einfach. Das Problem hierbei ist, dass unsere Gesellschaft eher auf äußere und materielle Werte fokussiert ist als auf die inneren. Extrinsische Bezeichnungen wie Statussymbole sind für viele zugänglicher und nachvollziehbarer.

Ein Beispiel: Auf die Frage „Wer bist du?“ folgt meistens eine Antwort, die Bezug auf eine Berufsbezeichnung oder den Wohnort nimmt. Wer hier keine eindeutige Antwort gibt, sorgt beim Gegenüber meistens für Verwirrung. Eine unklare Antwort auf diese alltägliche Frage entspricht nicht der gängigen Konformität. Wer achtsam sein und sich auf intrinsische Motive einlassen möchte, sollte sich von diesen extrinsischen Faktoren lösen.

Selbstreflektion als wichtiger Prozess

Es gibt verschiedene Ansätze und Übungen, um für mehr Achtsamkeit im eigenen Leben zu sorgen. Am einfachsten ist es immer, sich im aktuellen Moment selbst zu hinterfragen und wahrzunehmen – das funktioniert am einfachsten über die Sinne: Was sehe ich? Was rieche ich? Was schmecke ich? Dadurch lenken wir den Fokus bewusst auf die gegenwärtige Situation, ohne diese zu bewerten. Sich selbst neutral zu reflektieren ist der wichtigste Schritt, um Achtsamkeit zu erlernen.

Tatsächlich hilft auch Meditation dabei, intrinsische Motivatoren und damit innere Werte zu aktivieren. Meditation hilft einen Bewusstseinswandel zu entwickeln.

Meditation für das Ankurbeln der Achtsamkeit

Meditation ist ein gutes Stichwort im Hinblick auf die intrinsische Motivation und intrinsische Handlungen. Durch die Meditation entstehen Achtsamkeit und Konzentration auf sich selbst. In diesem meditativen Zustand ist es möglich, das Innere wahrzunehmen und das Bewusstsein im Hier und Jetzt zu zentrieren. Diese Freiheit von Gedanken führt paradoxerweise dazu, wirklich eigene Gedanken zu denken und zu erkennen.

Tatsächlich ist das Vornehmen von guten Vorsätzen wie zum Beispiel zur Jahreswende ein richtiger erster Schritt für einen achtsameren Umgang mit sich selbst. An unseren guten Vorsätzen können wir jedes Jahr erkennen, wo wir aktuell stehen, was wir erreicht haben und was uns vielleicht noch fehlt. Es ist gar nicht unbedingt nötig, all die guten Vorsätze tatsächlich umzusetzen. Die Reflektion des eigenen Status Quo ist bereits eine Form von Achtsamkeit, denn Reflektion ist Achtsamkeit. Silvester und das Fassen neuer Vorsätze ist für einige vielleicht sogar der achtsamste Moment im Jahr.

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Peats Redaktion

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13.02.14

Schuldgefühle – Motor oder Bremse im Job?

Schuldgefühle haben auch positive Seiten - was können wir von diesen unangenehmen Gefühl lernen?

Schuldgefühle und schlechtes Gewissen sind zunächst mal eine gesunde Sache, denn je besser man seine eigene Schuld erkennen und einsehen kann, desto mehr Handlungsspielraum und Gestaltungsmöglichkeit bleibt bestehen. Die Kunst der Schuld besteht nämlich darin, sie aushalten zu können. 

Schuld muss man zulassen können, sich ihr stellen und den Ringkampf zwischen Gewissen und Ego ertragen. Das Eingestehen der Schuld führt dann meistens zu einem Gefühl der Erlösung. In diesem Moment verbindet sich das Gefühl mit dem Gewissen. Die Folge davon kann ein mehr oder weniger heftiger Gefühlsausbruch sein. Gefühl, das nach außen gerichtet wird, ist generell ein regelrechter Egovertreiber. Die Beichte war so gesehen immer eines der ganz großen Instrumente. Sie führt dazu, dass der Mensch sich erleichtert fühlen kann und wieder Teil der Gemeinschaft wird, weil er seine Schuld und seine Sorgen abgegeben hat. Am Ende der Schuld steht die Sühne, also die "Strafe". Diese führt dazu, dass durch Reue der Delete-Knopf gedrückt werden kann.   Insofern ist das Ergebnis der Studie, veröffentlicht hier in Wirtschaftspsychologie-Aktuell eigentlich nicht sehr überraschend. Dennoch ist es sehr interessant, das Thema Schuld im Kontext Arbeitsalltag etwas genauer zu betrachten.   Remus Ilies, Professor für Management an der National University of Singapore (NUS), forscht zu Führung, Persönlichkeit und Arbeitseinstellungen und untersuchte in der Studie die Reaktionen von 172 Berufstätigen, die auf ihr negatives Verhalten gegenüber Kollegen und der Organisation aufmerksam gemacht wurden.   

Schuld als Lerninstrument

Schuldgefühle haben den angenehmen Nebeneffekt, dass derjenige, der darunter leidet, gleichzeitig etwas Neues lernt: Korrektes Verhalten. Meistens entsteht sogar das Bedürfnis den Fehler wieder gutzumachen, um die soziale Norm wieder herzustellen. Das Forschungsinteresse von Ilies war nun die Frage, ob Schuldgefühle und das Bedürfnis nach Ausgleich und Wiedergutmachung zu Verhaltensänderungen am Arbeitsplatz führen. Ausgangspunkt war zum einen unternehmensschädigendes Verhalten wie beispielsweise verbale Aggressionen und andererseits freiwilliges Arbeitsengagement. Wie beispielsweise einem Kollegen zu helfen, ohne eine Gegenleistungen dafür zu erwarten.  Im Ergebnis gaben Personen, die sich bei der Arbeit überdurchschnittlich destruktiv verhalten hatten und ein Feedback dazu bekamen, viele Schuldgefühle an. Sie hatten ein konstruktives Feedback zu ihrem Verhalten bekommen. Darüber hinaus war bei diesen Mitarbeitern das Bedürfnis entstanden, sich zukünftig stärker zu engagieren. Tatsächlich wurde dieses Vorhaben auch umgesetzt. Mitarbeiter die sich nur wenig unternehmensschädigend verhielten oder kein Feedback erhielten, zeigten dagegen nicht mehr Engagement als vorher.  Schuld spielt demnach eine wesentliche Rolle bei positiven Verhaltensänderungen, denn nur die Schuldbewussten nahmen das Feedback zur Grundlage für besseres Verhalten.  

Schuld als Forderung

Problematisch wird das Thema Schuld aber dann, wenn es als Machtinstrument benutzt wird. In diesem Moment wird die Schuld nicht bei sich selbst, sondern bei dem anderen gesucht. Es kehrt sich dann als Lerninstrument in sein Gegenteil um und wird destruktiv. Dann wird aus Schuld eine Forderung die dazu führt, dass das Gegenüber erniedrigt werden soll. Schuld ist beispielsweise im depressiven Modus ein klassisches Erpressungsinstrument: "Du bist schuld, dass es mir schlecht geht!", ist oftmals die Haltung hinter einem depressiven Verhalten. Was natürlich dazu führt, dass sich das beschuldigte Gegenüber dem Opfer zuwendet.   Bei Schuldzuweisungen ist es nützlich sofort hellwach zu werden und den Spieß umzudrehen. Sobald Sie der Meinung sind, dass jemand Schuld hat, lohnt es sich genauer hinzuschauen. Der Chef ist schuld, dass es mit der Karriere nichts wird? Die Ehefrau ist schuld, dass man immer noch in derselben Firma hockt und der HSV ist schuld an der schlechten Laune, weil er absteigt? Fremdbeschuldigung bringt grundsätzlich nichts! Selbst dann nicht, wenn die Faktenlage eindeutig zu Gunsten der eigenen Person spricht. Warum? Weil man fast immer nur an der eigenen Person etwas ändern kann. Sobald die Verantwortung durch Schuldzuweisungen an den anderen delegiert wird, gibt es nur eine Möglichkeit etwas an der blöden Situation zu ändern. Und die liegt beim anderen. Und schon ist die Kiste zu - nun sind nämlich auch die Handlungsoptionen beim anderen. Also sitzen Ohnmacht, Hilflosigkeit und Blockaden mit drin in der Kiste.   

Schuld als Zwangsjacke

Wer sich oft schuldig fühlt, hat möglicherweise hohe Moralvorstellungen oder ein sehr starkes Wertegerüst. Kleine Fehler die andere Menschen nicht einmal bemerken, können dann schon zu Schuldgefühlen führen. Dadurch wird der Lerneffekt unmöglich gemacht. Und zwar durch überzogene Vorstellungen von dem eigenem Verhalten und Möglichkeiten. Unnötige Selbstvorwürfe sind die Folge, die sich nicht nur für den Betroffenen wie eine Zwangsjacke anfühlen, sondern auch für die Umwelt. Wer versucht perfekt und fehlerfrei zu sein, erntet nicht selten Kopfschütteln bei den Kollegen oder erlebt sogar fehlenden Respekt. An der Stelle wirkt das Umfeld als Spiegel für die Emotionen, die eigentlich hinter dem Schuldgefühl stehen und mit dem man sich beschäftigen sollte anstatt sich für alles verantwortlich zu fühlen. Chronische Schuldgefühle sind sogar ein Resultat von mangelnder Verantwortungsübernahme. Sie tun gleichzeitig so, als wäre das Gegenteil der Fall. Tatsächlich ist permanentes Schuldgefühl eine Methode, um Verantwortung zu vermeiden. Im wahren Leben funktioniert dieses System aber nicht. Deshalb das Kopfschütteln oder die latente Aggression von Kollegen oder Familie.  

Schuld in der Gesellschaft

Schuld ist ein großes Thema in unserer Gesellschaft. Die Mechanismen, die seit Jahrtausenden ausgebaut und verfeinert worden sind, haben nun in den Medien noch mal eine große Bühne gefunden. Besonders Frauen sind angesprochen sich schuldig zu fühlen, wenn sie sich gleichzeitig als geduldige, ewig lächelnde Mutter, perfekte, wunderschöne Ehefrau, durchgestylte Sportskanone und eloquente Chefin über die Bildschirme flimmern sieht und diese Bilder mit der Realität abgleicht.  Aber andererseits ist Schuld ein sehr feines und differenziertes Instrument, mit dem wir arbeiten können. Es zeigt welche Werte wir haben, mit welchen Rollen wir uns identifizieren und außerdem wie wir unser Verhalten optimieren können. Sie sind der absolute Gradmesser für ein authentisches Leben im Job, bei der Familie und mit den Freunden.  Veröffentlicht wurde die Studie von Remus Ilies im Journal of Applied PsychologyImage 

Bild: piola666 @ iStock.com

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Dr. Thomas Bittner

Bitte ergänzen Sie die Angaben.

31.12.15

Aus aktuellem Anlaß: Gute Vorsätze helfen nicht!

Was man über die eigene Psyche wissen muss, um die guten Vorsätze tatsächlich umzusetzen

Wer kennt es nicht, die Augenwischerei mit den sogenannten guten Vorsätzen? Mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport treiben oder das Gewicht reduzieren gehören zu den beliebtesten Vorhaben für das neue Jahr. Hilft aber nicht. Geht auch meistens schief. 

Warum? Weil die Funktionsweise der in uns arbeitenden Psycho-Logik nicht bekannt ist oder nicht beachtet wird. Beispiel Rauchen: Der Genuss einer Zigarette ist lerntheoretisch ein positiver Verstärker, eine Belohnung. Oder das Rauchen ist habitualisiert (bspw. nach dem Essen). Eine Belohnung, die uns entzogen oder verweigert wird, wirkt ähnlich einem Strafreiz[1]. Strafreize wollen wir jedoch vermeiden. Mit dem Verzicht auf das geliebte Rauchen bestrafen wir uns also erst einmal selbst. Hinzu kommen neurobiologische Reaktionen aufgrund des Nikotinentzugs, die für das Vorhaben nicht förderlich sind.  Manche Vorsätzler versuchen sich selbst auszutricksen, indem sie mit anderen eine Wette abschließen, um sich unter Druck zu setzen und diszipliniert zu bleiben. Wetten müssen jedoch, damit sie funktionieren, eindeutig formuliert sein: „Wetten, dass es mir gelingt, mit dem Rauchen aufzuhören!“ ist zu unspezifisch. Es bedarf einer eindeutigen Bedingung wie „Wetten, dass ich in den nächsten drei Monaten nicht rauchen werde!“.  Was allerdings nach den drei Monaten passiert, bleibt offen. Man hat die Wette gewonnen und könnte wieder mit dem Rauchen beginnen. Ist ja auch ganz schön, denn man hat schließlich allen gezeigt, dass man aufhören kann. Jederzeit.  Bessere Erfolgsaussichten ergeben sich mittels Kompensation durch Belohnungen oder durch noch stärkere Strafreize. Wer bspw. Sellerie (oder Kohlrabi oder was auch immer) überhaupt nicht mag, sich aber dazu zwingt, nach jeder Zigarette ein Stück von einer Sellerieknolle zu essen, kombiniert die Belohnung (Zigarette)[2] mit einem Strafreiz (Sellerie) und neutralisiert sie damit (zumindest teilweise); d.h. man verzichtet auf die Zigarette, um dem Sellerie zu entgehen.  Oder man arbeitet mit positiven Verstärkern: Wer pro Tag eine Packung Zigaretten raucht, steckt nach einem rauchfreien Tag jeden Abend 5 Euro in ein Sparschwein. Da diese Handlung jedoch nur begrenzt belohnend wirkt (man gibt ja wieder etwas her), sollte man sich bewusst machen, was man mit dem gesparten Geld eines halben oder ganzen Jahres machen kann. Dies sollte regelmäßig durch Belohnungssymbole konkretisiert werden, denn aufgeschobene Belohnungen (wie eine vom ersparten Geld finanzierte Reise o.Ä.) haben nun einmal einen geringeren Wert als sofortige Belohnungen (der bekannte myopische Effekt).  Der Vorsatz mehr Sport zu treiben ist übrigens psychologisch effektiver umzusetzen. Denn der Strafreiz „Sport treiben“ führt in relativ kurzer Zeit zu fühlbaren Ergebnissen (Belohnungen) wie verbesserter Kondition, vermehrter Kraft oder ggf. sogar Gewichtsreduktion. Zudem ergibt sich häufig auch eine intrinsische Motivation, d.h. die Sportausübung an sich fängt an, Spaß zu machen und der Strafreiz wandelt sich in einen positiven Verstärker.[3]  Gute Vorsätze im Arbeitsleben beziehen sich häufig auf die Menge an Arbeitseinsatz: Mehr oder weniger zu arbeiten. Oder sich beruflich zu verändern oder sich im Betrieb weiterzuentwickeln. Für jegliche Veränderung bedarf es eines Antriebs / einer Motivation. Etwas anders oder neu zu machen, weil die neue Art des Tuns mehr Spaß macht (intrinsisch), ist erfolgversprechender als die Belohnung durch Geld, Macht oder Lob (extrinsisch). Zumal dann auch wieder das Moment der aufgeschobenen Belohnung erschwerend hinzukommt.  Für denjenigen, der den Vorsatz „mehr arbeiten“ gefasst hat, ist die Mehrarbeit eine Strafe. Das Tun kann also nicht intrinsisch motivierend sein. Es sollte daher eine große, möglichst sofort wirksame Belohnung mit der Mehrarbeit verbunden sein. Aber wo gibt es so etwas?  Derjenige, der weniger arbeiten will, muss sich hingegen mit Sanktionen anderer (Kollegen, Vorgesetzte) auseinandersetzen. NEIN sagen kann ein Strafreiz sein, führt aber zu einer Belohnung (weniger Arbeit; wenn nicht intrinsisch motiviert). Anders als bei der Mehrarbeit sanktioniert der NEIN-Sager sich nicht selbst, sondern andere übernehmen dies. Es ist also kognitiv erheblich aufwändiger, Belohnungen und (unsichere) Bestrafungen bzw. deren Valenz abzuwägen und zu einer (zumeist heuristischen) Entscheidung zur Reduktion des Arbeitseinsatzes zu kommen.  Wer sich (innerbetrieblich) weiterentwickeln möchte und dazu eine Weiterbildung benötigt, muss zunächst einmal investieren. Meistens Freizeit für das Erlernen zum Teil langweiliger Inhalte. Vielleicht sogar eigenes Geld. Das ist also mindestens eine doppelte Bestrafung: Weniger Freizeit und zusätzlich langweiliger Lernstoff. Die Beförderung als Belohnung dieses Verhaltens liegt zudem in der Zukunft und ist letztendlich unsicher. Gut ist, wenn man einen Vorgesetzten hat, der einen dabei unterstützt. Der die Perspektive – ähnlich einer individuellen Vision – und die lernenswerten Inhalte aufzeigt. Der gleichzeitig immer wieder nachhakt, den Fortschritt überwacht und die folgende Belohnung greifbar machen kann (wobei man ggf. die Zuwendung des Vorgesetzten an sich schon als Belohnung auffassen könnte). Der bei Rückschlägen unterstützt, neue Wege aufzeigt und durch seine Person ein Vorbild ist. Dann sind gute Vorsätze effektiv umsetzbar. Diese Art und Weise der Führung gibt es – auch mit nachgewiesenen positiven Effekten auf betriebswirtschaftlicher Ebene –, aber noch viel zu selten.  Für andere Menschen ist Weiterbildung vielleicht an sich erstrebenswert. Sie sind im Lernprozess intrinsisch motiviert und bedürfen keiner besonderen Förderung. Mit anderen Worten: Sie brauchen keine guten Vorsätze.  Fazit: Die erfolgreiche Umsetzung guter Vorsätze im Betrieb bedarf eines wirklich guten Chefs. Alleine bleibt es schwierig bis hoffnungslos. 

 [1] Im engeren Sinne spricht man hier auch von „Belohnungsentzug“ oder „negativer Bestrafung“, wobei es beim Rauchen selten um die Belohnung eines zuvor gezeigten Verhaltens im Sinne eines Stimulus-Response-Schemas geht. [2] Im SR-Schema kann das Rauchen selbst als Verhalten interpretiert werden, das durch einen Strafreiz / negative Bestrafung sanktioniert wird. Der Effekt bleibt gleich. [3] Das hört sich vielleicht etwas merkwürdig an, lässt sich jedoch dissonanztheoretisch erklären. 

Bild:  Ian Schneider @ unsplash.com

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